Pressemeldung Mehr Demokratie Berlin

15. Februar 2016

Volksbegehren: Verschärfung der Unterschriftenprüfung ist vom Tisch

[05/16] Mehr Demokratie mahnt fairen Umgang mit der direkten Demokratie insgesamt an

Die Berliner Regierungskoalition will die Unterschriftenprüfung bei Volksbegehren im Volksabstimmungsgesetz nun doch weniger streng regeln als angekündigt. In der Innenausschusssitzung am heutigen Montag (15. Februar) haben CDU und SPD einen entsprechenden Änderungsantrag beschlossen.

Nach dem neuen Vorschlag muss nur die Unterschrift für ein Volksbegehren eigenhändig erfolgen – Initiativen können also fehlende Angaben noch nachtragen. Eine Unterschrift soll dann als gültig anerkannt werden, wenn der Unterzeichnende zweifelsfrei erkennbar ist. Abgesehen vom Geburtsdatum und der Signatur dürfen alle weiteren Angaben auf den Unterschriftenlisten unvollständig oder unleserlich sein. „Wir freuen uns, dass sich die Koalition dazu durchgerungen hat, die Unterschriftenprüfung nicht unnötig zu erschweren“, sagt Oliver Wiedmann, Vorstandssprecher von Mehr Demokratie Berlin-Brandenburg. „Initiativen sammeln oft bei Wind und Wetter Unterschriften auf der Straße – der neue Vorschlag gewährleistet, dass eine Unterschrift nicht wegen einer verwischten Angabe im Papierkorb landet.“

Trotz des Kompromisses bei der Unterschriftensammlung sei die Kuh aber noch nicht vom Eis, betont Wiedmann. „Wir haben in den letzten Monaten erlebt, wie der Senat in den Bezirken und auf Landesebene versucht hat, die direkte Demokratie einzuschränken. Ausgehebelte Bürgerbegehren und die Umgehung von Volksentscheids-Beschlüssen lassen den Eindruck entstehen, dass unter Vorwand der Alternativlosigkeit unbequeme Bürgerwünsche umgangen werden sollen.“

Zudem hat Mehr Demokratie weitere Bedenken bei der geplanten Änderung des Volksabstimmungsgesetzes: „Wenn der Senat bei Volksbegehren öffentliche Gelder zur Werbung für die eigene Position und die Position des Abgeordnetenhauses einsetzt, verschafft er sich einen Vorteil gegenüber der Initiative“, erklärt Wiedmann. „Die Finanzierung von Volksbegehren lag bisher bei der Zivilgesellschaft. Wenn sie Sache des Staates wird, müssen auch Initiativen öffentliche Gelder bekommen.“ Mehr Demokratie werde die geplante Reform und den Umgang mit der direkten Demokratie weiterhin kritisch begleiten.

In den vergangenen Wochen hatte sich ein Bündnis von 70 Berliner Initiativen gegen die Erschwerung der direkten Demokratie formiert. Auch der Verein Mehr Demokratie hatte sich in einer Expertenanhörung sowie mit einer eigenen Kampagne gegen neue Hürden für Volksbegehren gewandt.


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